Schüleraustausch mit China
13.11.2011 18:31
Zu Besuch in Xiamen
Unsere Zukunft beginnt hier

Der Slogan, gewählt von den Schülerinnen und Schülern als Motto für dieses Schuljahr wurde von einer Gruppe Oberstufenschülern auf besondere Art und Weise verwirklicht. Für sie stand der Besuch der chinesischen Partnerschule, der Hubin High School in Xiamen, Provinz Fujian am Programm. Und gemessen an der Tatsache, dass bereits jetzt jeder fünfte Mensch chinesischer Abstammung ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Schüler gewiss in ihrer zukünftigen beruflichen Laufbahn mit China zu tun haben werden.
Es ging darum, die andere Kultur kennen zu lernen und Vorurteile abzubauen. Und die Unterschiede verlangten den Jugendlichen einiges ab.
Dabei war die Tatsache, dass die Provinzhauptstadt Xiamen mit zwei Millionen Einwohnern und einer Million Fahrzeugen als Kleinstadt eingestuft wird, noch die geringere Überraschung.

Der Moment, in dem jeder von seiner Gastfamilie in Empfang genommen wurde, war mit Spannung gefüllt. Freundlichkeit und ein herzlicher Empfang mit riesigen Blumensträußen konnten dabei die Aufregung nicht mindern. Die Kommunikation in Englisch war nicht immer einfach – zwar lernen die chinesischen Kinder Englisch an der Schule, aber angesichts der komplett anderen Struktur der beiden Sprachen, blieben so manche Sprachbarrieren bestehen. Dies konnte aber durch Gestik und Mimik kompensiert werden, und durch die Tatsache, dass ein Teilnehmer aus Regensburg aus einer chinesischen Familie stammt und somit als Vermittler zwischen den Sprachen agieren konnte.
Das Essen war eine weitere Hürde.

Kann man Seetang und Entensuppe, knusprig gebratene Hühnerfüße und unbekannte Meerestiere essen? Die chinesischen Gastgeber konnten jedenfalls für jede Speise gesundheitsfördernde Argumente finden und letztendlich durch den leckeren Geschmack und durch die Vielfältigkeit überzeugen. So war es aber auch nicht überraschend, dass chinesischer Pudding schwarz ist und sehr gute kühlende Wirkung auf den Körper hat – was auch sehr hilfreich war bei Temperaturen von bis zu 36 Grad im November. Mit Interesse wurde auch der Trend zu europäischen Lebensmitteln, wie etwa Wein aus Frankreich, und zu Bio-Lebensmitteln wahrgenommen.
Natürlich war man auch
auf das Schulleben der chinesischen Partner gespannt. Die Schule beginnt um 8
Uhr morgens – soviel zu den Gemeinsamkeiten, denn das Unterrichtsende liegt bei
17.45 Uhr, gefolgt von mindestens 2 Stunden häu
slicher Nacharbeit. Im
Abschlussjahr findet gegebenenfalls auch Studierzeit bis halb 10 Uhr abends
statt, denn nur die besten Schüler der Provinz schaffen die
Universitätseintrittsprüfung. Beeindruckend für uns war ebenfalls die
Medienausstattung der Klassenzimmer mit Beamern und Computern, sowie die
Ausstattung der Fachräume für den Physik-, Chemie- und Geographieunterricht.
Seit dem ersten Besuch im Jahr 2006 hat die Hubin High School auf diesem Sektor
viel Geld investiert. Der dortige Schulleiter, Herr Cheng, zeigte sich nicht
nur als sehr gastfreundlich und offen, sondern auch als sehr aufgeschlossen für
Neuerungen. So war es ihm auch ein Anliegen, die deutschen Partnerschulen, das
Privat-Gymnasium Pindl in Regensburg und das Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasium in
Schwandorf, die diesen Austausch als Kooperationsprojekt durchführen, in einem
Besuch im Jahr 2008 persönlich kennen zu lernen. Aus der Begegnung der
Schulleiter der drei beteiligten Schulen entstand eine
„Austausch-Vereinbarung“, eine schriftliche Versicherung für die Nachhaltigkeit
und die Dauerhaftigkeit dieser Begegnungsmaßnahme.
Einen besonderen Eindruck hinterließ bei den deutschen Schülerinnen und Schülern auch die Familenstruktur in China. Im Geographieunterricht der 10. Klasse hatten sie vorher über die „Ein-Kind-Politik“ in China gelernt. Und tatsächlich bestätigte sich diese Information in vielen Fällen. Dennoch gab es in einigen Austauschfamilien durchaus bis zu drei Geschwisterkinder. Als ungewohnt erlebten die Deutschen jedenfalls die Fürsorge der Eltern für ihr oft einziges Kind, die für unsere Begriffe als sogar einengend empfunden werden könnte. So durften die 16-Jährigen abends nicht alleine ausgehen und wurden fast immer bei Einkaufstouren von ihren Eltern begleitet. Alkohol und Zigaretten sind natürlich ebenfalls tabu für die Jugendlichen.
Alles anders oder doch
auch Verbindendes? 
Nach so vielen neuen Eindrücken musste man natürlich letztendlich auch die Frage nach dem verbindenden Element stellen. Wenn auch die Details des Alltags und natürlich auch die Sprache als fast unüberwindbares Element erschienen, so waren doch die Grundprinzipien dieselben: der Wunsch nach einem guten Leben, das auf einer harmonischen sozialen Interaktion in der Familie und in der Schule basiert; der Wunsch der Eltern, für ihre Kinder das Beste zu erreichen, damit diese sich weiterentwickeln können und eine erfolgreiche Zukunft vor sich haben; und der Wunsch und die Bereitschaft zur Veränderung und zur Weiterentwicklung. Durch die Erfahrungen gesammelt in den letzten 5 Jahren konnte man beobachten, wie schnell sich der Wandel des 21. Jahrhunderts in China vollzog.

Dieser architektonische und infrastrukturelle Wandel konnte bereits in der Woche zuvor wahrgenommen werden, als die Gruppe die Hauptstadt Peking besuchte. In einer Stadt in der an den Baustellen 24 Stunden gearbeitet wird und die Presslufthammer nie ruhen, wachsen die modernen Gebäude, wie etwa der futuristische CCTV-Tower oder das avantgardistische Nationaltheater wie Pilze aus dem Boden. Verdichtetes Wohnen durch riesige Hochhauskomplexe umgibt die Inseln der historischen Sehenswürdigkeiten und der letzten traditionellen Wohnviertel, der so genannten Hutongs.

Ein perfektes U-Bahn-Netz erlaubt dem Besucher die relativ schnelle Überwindung von Distanzen, denn der Autoverkehr birgt in Stoßzeiten Verzögerungen von bis zu 2 Stunden.
Aber auch hier merkt man die Veränderungen: so gibt es fast nur noch elektrisch betriebene Zweiräder, um die Umweltbelastung zu verbessern. Einstimmig wurde von den Jugendlichen jedoch auch festgestellt, dass eine U-Bahn-Fahrt zu Stoßzeiten ebenfalls unentbehrlich für die Reiseerinnerungen sei, denn die 12 Millionen-Einwohner Metropole sorgt dafür, dass die U-Bahn-Wagen dann überquellen mit Fahrgästen.
Die Schüler haben sich aufgemacht in eine sehr fremde Kultur und sie sind mit einem großen Koffer an Geschenken von ihren Austauschfamilien, aber auch mit einem reichen Schatz an Erfahrungen wieder zurückgekehrt. Offen werden sie in der Zukunft mit Kulturunterschieden und Sprachbarrieren umgehen können. Eine Erfahrung, die sie begleiten wird.

