Deutsch-Französischer Tag 2018 Loin de Verdun

Gedenken an den Ersten Weltkrieg

Im Zuge der Erinnerungskultur und des hundertjährigen Gedenkens wurde anlässlich des Deutsch-Französischen Tags 2018 am Donnerstagabend, 12.01.2018, der Film „Loin de Verdun“ in Anwesenheit des französischen Regisseurs Xavier Delagnes gezeigt.

„Ma bien chère Emma,…“ so begann der Brief, der vor der Filmvorführung von zwei Oberstufenschülern eines Geschichtekurses vorgetragen wurde. Ein Soldat an der Front schreibt an seine Verlobte zu Hause. Im Wechsel zwischen französischem Originaltext und deutscher Übersetzung wurde bei der Lesung klar, wie einsam und aussichtslos sich der junge Mann an der Front gefühlt haben musste.

Die vom Team Schulhausgestaltung unter der Leitung von Herrn Kraus erstellten „Wordles“ – im Aquarium ausgestellt - unterstrichen das Anliegen des Abends.

Die Schrecken der Soldaten an der Front sind den Menschen bekannt, was jedoch weniger bekannt ist, wurde durch den nachfolgenden Dokumentarfilm über das Lager Garaison am Fuß der Pyrenäen verdeutlicht. Hierbei handelte es sich nicht um ein Kriegsgefangenenlager, sondern vielmehr um ein Internierungslager für Zivilisten. Dies bedeutete, dass deutschstämmige (und auch österreich-ungarische) Familien, die unter Umständen bereits lange Zeit in der Gegend Südfrankreichs gelebt hatten, plötzlich zum Feind geworden waren und in dem ehemaligen Kloster interniert bzw. konzentriert wurden. Davon kam auch der erste Name, nämlich „Konzentrationslager“ – später umbenannt in Internierungslager bzw. landwirtschaftliche Gemeinschaft. Auch Deutsche, die sich zu Kriegsausbruch in Frankreich auf Urlaub befanden, landeten dort. Von einem regen Lagerleben war zu hören und zu sehen, jedoch auch von schwierigen Versorgungslagen - besonders im Winter und von zunehmenden Hassgefühlen auf beiden Seiten im Verlauf der Kriegsjahre. Wer hätte vermutet, dass auch Albert Schweitzer, der aufgrund seiner Elsässer Herkunft ohnehin eine nicht eindeutig zuordenbare deutsch-französische Abstammung hatte, im Jahre 1917 einige Zeit im Lager Garaison verbrachte und schließlich dort auch als Arzt für die Internierten agieren durfte? Das Schicksal der Gefangenen „Loin de Verdun“ (= „Weit weg von Verdun“) wurde in der Geschichte der großen Politik vergessen. Der Film zeigt damit eine etwas andere, noch weitestgehend unbekannte Perspektive auf den Ersten Weltkrieg.

Im Anschluss an den Film sowie auch am darauffolgenden Tag stellte sich der junge französische Filmemacher Xavier Delagnes zur Verfügung, um den Gästen und den Schülerinnen und Schülern Fragen zum Film zu beantworten, wodurch sich an beiden Tagen eine angeregte Diskussion entspann, die Anlass zu weiterer Reflexion gab.

Dieser Filmabend war in die Fachtagung „1918 – 2018 Internierung im Ersten Weltkrieg“ eingebettet, die von Frau Professor Dr. Isabella von Treskow, Lehrstuhlinhaberin für französische und italienische Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Regensburg in Kooperation mit Herrn Dr. Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg, ausgerichtet. Neben Gästen, wie etwa Frau Catherine Hummel-Mitrécé (Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Regensburg), besuchten auch Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse und der Oberstufe, Eltern sowie zahlreiche Lehrkräfte den Abend.

Mit der deutsch-französischen Vergangenheit beschäftigen sich die Französischschülerinnen und –schüler jedes Jahr, wenn sich die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags (dem Elysées-Vertrag) am 22.Januar jährt. Dieses Abkommen, das von dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Präsident Charles de Gaulle unterschrieben wurde, führte unsere Nachbarländer nach langer Erbfeindschaft und verlustreichen Kriegen  zusammen – hoffentlich für immer.

J. Klemm und G. Pernul für die Fachschaft Französisch