Lost Traces

eine baukulturelle Spurensuche für junge Menschen in Regensburg.

Europa feiert in diesem Jahr ein erstes Europäisches Kulturerbejahr. Im Fokus diesen Jahres steht das Gemeinschaftliche und Verbindende Europäischer Kultur. In Deutschland wird dem baulichen Kulturerbe dabei eine besondere Stellung eingeräumt. Die Baukultur soll als Anknüpfungspunkt für die aktive Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe dienen.
Das Kulturerbejahr will vor allem junge Menschen erreichen, Bezüge zu deren Lebenswelt schaffen und sie als Akteure und Multiplikatoren gewinnen.
Aus diesem Grund hat der Verein Architektur und Schule das Projekt LOST TRACES ..., eine baukulturelle Spurensuche für junge Menschen, entwickelt.

„LOST TRACES... in Regensburg“

Am 23. und 24. Juni präsentieren sich nun einige Schulen mit einer BAUKULTUR-TOUR. An diesem Wochenende, zeitgleich und in Kooperation mit dem Ostengassenfest der Sozialen Initiativen, werden drei Standorte für einen kurzen Zeitraum in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Das Peterskirchlein, die ehemalisch Thermenanlage unter dem Sportplatz des Albrecht Altdorfer Gymnasiums und der Anatomieturm der Königlichen Villa.

 

 

BAUKULTUR-TOUR
22. und 24. Juni 2018

Folgen Sie uns an diesem Wochenende zum Europäischen Kulturerbejahr auf baukulturelle Spurensuche!

Peterskirchlein
24.06.18 von 11:00 bis 15:00
ein Projekt der Konrad Mittelschule
Öffnung des Peterskirchleins am Bahnhofsareal mit Kunstinstallationen, Führungen und Musik, Meditation und Gesprächsrunde

11:00 Eröffnung der Veranstaltung, Grußworte der Schule musikalische Darbietung der Konrad Mittelschule
         und Präsentation der Schilderinstallation durch die Schüler
12:00 Führung zum Peterskirchlein, Architektin B. Rieger
13:00 Wir fragen Sie zur Zukunft des Peterskirchleins
13:30 Meditation mit Pater Clemens
14:00 Gesprächsrunde zur Zukunft des Peterskirchleins mit
        - Pater Clemens, Bahnhofsmission
        - Andi Will, Sozialen Initiativen/Sofa
        - Maria DrugStopAku
        - Schüler/innen der Konrad Mittelschule
15:00 Abschluss und Abbau


Anatomieturm/Königliche Villa
24.06.18 von 11:00 – 17:00
ein Projekt des Privat-Gymnasiums Pindl
Jede halbe Stunde werden Führungen von Kindern durch den Anatomieturm angeboten. Treffpunkt und Infostand finden Sie im Park vor der Königlichen Villa. Vor dem Anatomieturm können Sie die Ausstellung „Spurensuche Anatomieturm“ besuchen. Kinder sind eingeladen, sich Regensburg bei einer Mitmach-Malaktion in Farbe zu tauchen.
In der Königlichen Villa ergänzt die Ausstellung „Regensburg im Spannungsfeld europäischer Architektur“ den Blick auf Europa im Kulturerbejahr.

Römerfest am Sportplatz des AAGs
24.06. von 11:00 – 17:00
ein Projekt des Albrecht Altdorfer Gymnasiums
Ein Schuljahr lang haben sich die 6. Klassen am AAG mit der römischen Geschichte ihres Sportplatzes, einst eine römische Thermenanlage, und dem römischen Leben beschäftigt. Die Ergebnisse dieser Spurensuche präsentieren sie mit einem römischen Kinderfest mit Spiel- und Sportangeboten, Archäologie in der Box, einer kreativen Rekonstruktion der
früheren Thermenanlagen und vielem mehr.

 

 

LOST TRACES...

Was hat es mit dem mysteriösen Regensburger Anatomieturm nun auf sich?

Diese Frage stellten sich die Schüler/innen des Privat-Gymnasiums Pindl im Rahmen einer ganz besonderen Begabtenförderung. Die jungen Menschen hatten sich in der Schule durch besondere Leistung und Engagement ausgezeichnet. Mit dem LOST TRACES...Projekt zum Regensburger Anatomieturm konnten die Schüler/innen ihre Kompetenzen weiter ausbauen, indem sie ein Bauwerk und dessen Geschichte von vielen Standpunkten aus unterschiedlich erarbeiteten.

 

An fünf Workshop-Tagen gingen die Schüler/innen mit ihren Betreuerinnen Ingrid Westerboer und Nicole Manzke auf Spurensuche. Sie filmten, recherchierten, fotografierten und dokumentierten ihre Eindrücke sowie Erlebnisse rund um den erst seit Kurzem zugängigen Turm. Mit diversen Methoden wurde der unbeachtete Ort, der viele europäische Gedanken, Strömungen sowie europäische Geschichte in sich vereint, ins Bewusstsein geholt.

Partner des Projektes ist das Landesamt für Denkmalpflege in der Königlichen Villa, dem der Turm seit kurzer Zeit gehört.

 

Der Anatomieturm - ein Turm für

Pulver, Leichen und Pathologen!

Ein Blick in die Regensburger Stadtgeschichte zeigt die Herkunft des Turmes. In den Jahren 1310 bis 1330 kam die Ostenvorstadt unter den Schutz einer Stadtmauer, die auch entlang der Donau gezogen wurde. Die Mauer wurde mit 23 Türmen an der Landseite und 14 Türmen an der Donauseite bestückt. Der Anatomieturm, damals ein Wehrturm der Stadtmauer, war einer von ihnen. Mit dem Bau einer Pulvermühle unterhalb des Turms wurde dieser bis 1618 als Pulverturm genutzt. Als die Stadtmauer und der Pulverturm immer mehr an Bedeutung verloren, wurde 100 Jahre später aus dem Turm ein kleines „theatrum anatomicum“. 1739 wurde der ehemalige Pulverturm wissbegierigen Ärzten als Sektionsort überlassen. Diese spannende Periode währte nur kurz, bereits 1812 wurde aus dem Anatomieturm wieder ein „Militär-Pulverturm“. 22 Jahre später, der Pulverdampf hatte sich endlich verzogen, ließ König Maximilian II. von Bayern die Ostenbastei bis 1858 zur Sommerresidenz umbauen. Seitdem gehört der Anatomieturm mit seiner neuen, neogotischen Umformung zur Anlage der Königlichen Villa.

 

Filmisches Portrait des Anatomieturmes

Mit einem kleinen Film dokumentierten die Schüler/innen die Spurensuche zum Anatomieturm, um einen Einblick in dessen 700-jährige Geschichte zu geben. Zunächst filmten sie ihre eigenen unterschiedlichen Forschertätigkeiten, während derer sie sich mit der baulichen Struktur des Turms durch Messen, Zeichnen, Fotografieren und Modellbau beschäftigten.

Anschließend setzten sich die jungen Forscher in fünf Kleingruppen mit dem historischen Hintergrund auseinander und fanden heraus, welch spannende Ereignisse die Vergangenheit des Turms geprägt hatten. Dabei wurde ihnen bewusst, dass die wechselhafte Geschichte des Anatomieturms eng mit der historischen Entwicklung in Europa verknüpft war und sich viele Parallelen sowie Querverbindungen zu innereuropäischen Phänomenen ziehen lassen. Diese Erkenntnisse sollten ebenfalls in den Film einfließen. Jede Gruppe entwickelte daher ein Drehbuch für eine kurze Filmsequenz, in der die Rolle des Turms in einer bestimmten Zeitschicht, die auch im gesamteuropäischen Kontext relevant war, aufgriffen, thematisiert und humorvoll inszeniert wurde.