Schüleraustausch mit China

Während ich in der chinesischen Mittagssonne sitze (mit knapp 20 Grad viel zu warm für diese Jahreszeit, aber herrlich für unsere Reise), versuche ich zusammenzufassen und einzuschätzen, wie die Teilnehmer unserer Chinareise die ersten Tage hier in Peking beschreiben würden: verschieden und doch gleich mit uns, definitiv aber größer und lauter.

Ohne auch nur eine Mütze Schlaf haben wir dieses Mal die Schülerinnen und Schüler nach der Ankunft am Flughafen Peking zur chinesischen Mauer gebracht. Dort wurde schnell klar, warum Mao meinte, dass ein Mann nur dann ‚ein richtiger Kerl’ sei, wenn er die Große Mauer bestiegen hätte. Die Stufen nach oben sind ungleichmäßig, aber zahlreich und nach dem Abstieg zitterte so manches Knie. Richtig spektakulär zeigt sich die Stadt Peking dann, wenn man sich in ihr bewegt – die Wegstrecken und die Anzahl der Menschen, die sich fortbewegen sind einfach ein Vielfaches von München, Regensburg oder Schwandorf! Derzeit gibt es ein Netz von 200 km U-Bahnstrecke (der Ausbau auf 400 km ist im Gange), zwei Flughäfen mit einer Kapazität von jeweils 80 – 100 Millionen Passagieren, die letzte Ringstraße (= Außenautobahn rund um die Stadt – mindestens 6-spurig) hat eine Länge von 400 km (d.h. Man kann die Stadt an einem Tag mit dem Auto schön umrunden, allerdings wird der 7. Ring es auf stolze 900 km bringen), 5 Bahnhöfe, von wo auch die Schnellzüge in die anderen Regionen starten…. Und so weiter und so fort.

 

An den berühmten Sehenswürdigkeiten zeigt sich schnell noch einmal, was Größe bedeutet im chinesischen Kontext. Und ich spreche hier nicht von den Ausdehnungen des Kaiserpalastes, sondern von den Menschenmassen. Bei 80.000 Karten pro Tag ist Schluss. Bei dieser täglichen Besucherzahl muss man sich schon sehr anstrengen, um ein ruhiges Plätzchen zu finden. Die beinahe gleich große Anzahl von Interessierten möchte einen Blick auf den mumifizierten Leichnam des großen Führers Mao Tse Dong im Mausoleum am Platz des himmlischen Friedens werfen. Dazu benötigt es eine straffe Organisation in der Zu- und Ableitung des Besucherstroms. Effizienz ist bei dieser Anzahl der Menschen ein Muss. Und so finden mittlerweile Bezahlvorgänge fast ausschließlich über einen QR-Code auf dem Handy statt. Das Bargeld wird demnächst (zumindest hier in Peking) ausgestorben sein…

Ganz deutlich ist hier zu spüren, dass sich die Politik auf das Morgen konzentriert. Und dennoch, man hat das Gefühl, dass noch viel zu tun ist. Der Konsum von Verpackung ist noch deutlich höher als bei uns, die Schere zwischen Arm und Reich ist ebenfalls scheinbar größer und spürbarer als bei uns. Auch die flächendeckend erkennbare Präsenz von Polizei und Videoüberwachung erscheint uns irritierend bis befremdlich. Eine Erkenntnis können wir jedenfalls nach den ersten Tagen gewinnen: durch Reisen erweitert sich der Horizont.

Gerlinde Pernul,

Stellvertretende Schulleiterin