Tage der Orientierung – Ein Perspektivwechsel mit nachhaltiger Wirkung
An den diesjährigen „Tagen der Orientierung“ begaben sich alle Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Privat-Gymnasiums PINDL an zwei Tagen auf eine besondere Reise – nicht nur geografisch, sondern vor allem gedanklich und emotional.
Der Tag begann in unserer Aula mit einer thematischen Hinführung: In einem szenischen Einstieg wurde der ganz normale Morgen eines Schülers nachgezeichnet – vom Aufstehen bis zum Platznehmen im Klassenzimmer. Dabei wurde der Blick bewusst geweitet: Was ist, wenn dieser Alltag nicht selbstverständlich ist? Welche Herausforderungen erleben Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind? Und welche Schulformen in Regensburg kümmern sich um diese Menschen – insbesondere Förderschulen wie das Blindeninstitut Regensburg?
Mit diesen Fragen im Gepäck machten wir uns per Bus und kurzem Fußweg auf den Weg zum Blindeninstitut im Westen Regensburgs, nahe dem Prüfeninger Bahnhof. Dort wurden wir herzlich empfangen von Frau Christine Tausendpfund, Bereichsleitung der heilpädagogischen Tagesstätte.
Ein informativer Vortrag führte uns durch die Geschichte der Blindenpädagogik – von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Gründung des Blindeninstituts Regensburg, das in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert. Besonders eindrucksvoll waren die Einblicke in die Voraussetzungen für eine Aufnahme sowie die individuellen Förderbedarfe der dort betreuten Menschen.
Im Anschluss durften die Schülerinnen und Schüler an vier interaktiven Stationen selbst erfahren, was es bedeutet, mit einer Beeinträchtigung zu leben:
-
Orientierungsparcours: Mit verbundenen Augen und einem Partner an der Seite tasteten sich die Jugendlichen durch einen Hindernisweg.
-
Spaziergang mit Gehhilfe: Eine Erfahrung, die Geduld und Koordination forderte.
-
Rollstuhlparcours: Hier wurde schnell deutlich, wie viele alltägliche Barrieren es gibt.
-
Brailleschrift: Die Schülerinnen und Schüler lernten, wie man mit den Fingern liest – und wie komplex diese Schrift ist.
Ein besonderes Highlight war der abschließende Spaziergang über das Gelände mit Simulationsbrillen, die verschiedene Sehbeeinträchtigungen nachahmten. Der Weg führte uns zum „Platz der Stille“, einer Gedenkstätte mit Tonkugeln, die von allen Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam gestaltet wurden – als Erinnerung an die Verstorbenen.
Zum Abschluss überreichten wir eine Schülerspende, die für den Bau eines neuen Spielturms verwendet wird. Spontan erklärten sich die begleitenden Lehrkräfte Maximilian Lang und Frank Schäfer bereit, auch den Erlös der Abschlussgottesdienstkollekte diesem Zweck zu widmen.
Zurück an der Schule ließen wir den Tag bei Eis und Brezen am Schifferl ausklingen und reflektierten gemeinsam in der Aula unsere Eindrücke.
Fazit: Der „Tag der Orientierung“ war eine rundum gelungene Exkursion, die nicht nur Wissen vermittelte, sondern vor allem Empathie und neue Perspektiven eröffnete. Unsere Schülerinnen und Schüler haben viel gelernt – über andere und über sich selbst.
Maximilian Lang, Pfarrer Frank Schäfer